Digitale Bewahrung sorbischer Blaudruckmuster

Projektstatus

Planung
100%
Durchführung
100%
Dokumentation
100%

Hintergrund

Der sorbische Blaudruck ist ein jahrhundertealtes Handwerk und zählt heute zum immateriellen Kulturerbe. Die tiefblaue Färbung, traditionelle Druckmodel und fein ornamentierte Muster spiegeln sorbische Identität, Textilkunst und regionale Geschichte wider. Viele dieser historischen Designs existieren jedoch nur noch auf Stoffen oder Pergamenten und sind durch Alter, Nutzung und begrenzte Archivierung zunehmend bedroht.

Das Projekt verfolgt das Ziel, diese Muster systematisch zu erfassen, digital aufzubereiten und mittels moderner KI-Technologien langfristig zu bewahren. Durch die Kombination aus Bildverarbeitung und KI-basierter Musteranalyse entsteht ein digitales Archiv, das sowohl die historische Substanz schützt als auch neue kreative Nutzungsmöglichkeiten eröffnet – beispielsweise für Textildesign, kulturelle Bildung oder regionale Produktentwicklung.

Herausforderung

Die größte Herausforderung besteht darin, die künstlerische und kulturelle Authentizität der originalen Muster zu bewahren. Historische Blaudrucke variieren stark in Qualität, Struktur und Erhaltungszustand: manche sind verblasst, andere durch Falten, Stoffstruktur oder Druckabweichungen verzerrt. Klassische Digitalisierung reicht hier nicht aus; die KI muss die Muster nicht nur erkennen, sondern stilgetreu interpretieren und rekonstruieren.

Hinzu kommt, dass jede Vorlage ein handwerkliches Unikat ist – keine zwei Drucke sind exakt gleich. Das erfordert eine besonders sensible KI-Modellierung, die die Handschrift des traditionellen Blaudrucks nicht verfälscht, sondern respektvoll digital weiterträgt. Dabei steht nicht die automatische Produktion industrieller Massenware im Vordergrund, sondern der Erhalt von Wissen, Formen und kultureller Symbolik.

Auf technischer Ebene bestehen zudem Anforderungen an die Musterauflösung, Farbtreue und Datenvorbereitung. Viele Vorlagen müssen manuell restauriert, perspektivisch korrigiert und in konsistente Formate überführt werden, um ein sauberes Training zu ermöglichen. Gleichzeitig wird ein ressourcenschonender Trainingsprozess entwickelt, der auch auf gängiger Hardware praktikabel ist.

Lösung

Das übergeordnete Ziel des Projektes „Digitale Bewahrung sorbischer Blaudruckmuster“ war die nachhaltige Sicherung und digitale Weiterentwicklung des sorbischen Blaudrucks. Durch die systematische Digitalisierung ausgewählter Muster und deren Aufbereitung für KI-gestützte Anwendungen sollte eine Grundlage geschaffen werden, um das Kulturerbe langfristig zu bewahren und zugleich neue kreative Einsatzmöglichkeiten zu eröffnen.

Konkret wurde angestrebt, digitale Bilddaten so aufzubereiten, dass KI-Modelle in der Lage sind, neue Bilder im Stil des sorbischen Blaudrucks zu generieren. Diese generativen Ergebnisse sollen unter anderem für Videoproduktionen, visuelle Medienformate und kulturelle Vermittlungsformate eingesetzt werden können. Damit wird der Blaudruck nicht nur konserviert, sondern als lebendiges Gestaltungselement in zeitgenössische Medien übertragen.

Das Projekt wurde gemeinsam von der Plon GmbH – Lausitzer Institut für strategische Beratung und dem Mittelstand-Digitalzentrum Spreeland umgesetzt. Während das Lausitzer Institut insbesondere die inhaltlich-kulturelle Perspektive, die strategische Ausrichtung sowie die Einbettung in den regionalen Kontext übernahm, brachte das Digitalzentrum Spreeland seine technologische Expertise in den Bereichen Digitalisierung, KI und Datenaufbereitung ein.

Umsetzung

Im Verlauf der Projektumsetzung lag ein zentraler Schwerpunkt auf der systematischen Digitalisierung und technischen Aufbereitung der sorbischen Blaudruckmuster. Zu Beginn wurden über 200 originale Blaudrucke fotografiert und hochauflösend digitalisiert. Dabei wurde großer Wert auf eine gleichbleibende Bildqualität, eine möglichst exakte Farbwiedergabe sowie die Erfassung feiner Strukturen und typischer Unregelmäßigkeiten gelegt, die den handwerklichen Charakter des Blaudrucks ausmachen.


Die digitalisierten Bilddaten wurden anschließend gezielt für den Einsatz in KI-gestützten Verfahren aufbereitet. Dazu gehörten unter anderem die Bereinigung und Normalisierung der Bilddaten, Anpassungen von Kontrast und Farbraum sowie die Strukturierung der Daten für ein effizientes Training auf gängiger Hardware. Ziel war es, eine belastbare und qualitativ hochwertige Datengrundlage zu schaffen, die die stilistischen Merkmale des sorbischen Blaudrucks konsistent abbildet.


Auf Basis dieser Daten wurden mehrere Stable-Diffusion-Modelle mithilfe von LoRA-Techniken (Low-Rank Adaptation) nachtrainiert. Dieses Vorgehen ermöglichte es, die Modelle gezielt auf die spezifische Ästhetik des sorbischen Blaudrucks zu spezialisieren, ohne die zugrunde liegenden Basismodelle vollständig neu trainieren zu müssen. Durch das Nachtraining konnten die Modelle den charakteristischen Stil, die Ornamentik und die Musterlogik des Blaudrucks erlernen und eigenständig neue, stilistisch konsistente Bildinhalte generieren.


Die so entwickelten KI-Modelle bilden die Grundlage für die Generierung neuer Bilder im Stil des sorbischen Blaudrucks. Diese Ergebnisse können flexibel weiterverwendet werden, insbesondere für Videoproduktionen, visuelle Medienformate und kreative Anwendungen, und tragen dazu bei, die traditionelle Kulturtechnik des Blaudrucks in einen zeitgemäßen digitalen Nutzungskontext zu überführen.

Mittelstand-Digital Zentrum Spreeland
c/o Brandenburgische Technische Universität Cottbus - Senftenberg
Siemens-Halske-Ring 14 | Lehrgebäude 3A
03046 Cottbus

 

Ansprechpartner:
Randolf Schmitt

Tel.: +49 (0) 355 69 5171
E-Mail: randolf.schmitt@b-tu.de