Geschäftsprozesse automatisieren mit KI: E-Mail-Postfach

Der deutsche Mittelstand steht unter wachsendem Druck: steigende Kommunikationslast, Fachkräftemangel und der Anspruch, Künstliche Intelligenz (KI) sinnvoll und verantwortungsvoll in bestehende Abläufe zu integrieren. Gerade administrative und kommunikative Geschäftsprozesse binden wertvolle Zeit, ohne direkt zur Wertschöpfung beizutragen. Im regelmäßig gut besuchten Workshop „Geschäftsprozesse automatisieren mit KI“ am Mittelstand-Digital Zentrum Spreeland wird deshalb praxisnah gezeigt, wie KI-gestützte Automatisierung im Mittelstand konkret funktionieren kann – verständlich, realistisch und übertragbar auf den eigenen Unternehmensalltag. Als Einstieg dient ein bewusst reduziertes Praxisbeispiel: die Automatisierung eines E-Mail-Postfachs.

Warum E-Mail-Automatisierung für den Mittelstand nützlich ist

E-Mail ist in nahezu jedem mittelständischen Unternehmen der zentrale Kommunikationskanal – intern wie extern. Gleichzeitig ist sie ein typischer Produktivitätsfresser:

  • hohe Anzahl wiederkehrender Anfragen
  • zeitaufwändige Sichtung und Beantwortung
  • Medienbrüche zwischen Postfach, CRM und internen Prozessen

Genau deshalb eignet sich das E-Mail-Postfach im Workshop als exemplarischer Automationsfall:

  • sofort verständlich
  • klar abgrenzbar
  • technisch überschaubar
  • direkt auf andere Prozesse übertragbar

Ziel ist nicht die vollständige Automatisierung, sondern die intelligente Unterstützung von Mitarbeitenden durch KI.

Was sind Automationsbäume?

Automationsbäume beschreiben das Grundprinzip moderner Automatisierungsplattformen wie n8n, Make oder Zapier. Ein Geschäftsprozess wird dabei als Abfolge logisch verknüpfter Schritte dargestellt: Ein Auslöser (Trigger) startet den Prozess, darauf folgen Verarbeitungs- oder Entscheidungsstufen, am Ende steht eine konkrete Aktion. Diese visuelle, modulare Darstellung macht komplexe Abläufe verständlich, anpassbar und skalierbar – und erlaubt es Unternehmen, Automatisierung schrittweise und kontrolliert aufzubauen, statt monolithische Systeme einzuführen.

Der exemplarische Automationsbaum im Workshop

Der im Workshop gezeigte Workflow ist absichtlich minimalistisch und besteht aus nur drei Komponenten, sogenannte Nodes. Nodes (deutsch: „Knoten“) sind hierbei als einzelne Funktionen zu verstehen.

Beispiel: Automationsbaum mit n8n (OpenAI Chatmodell).

1. E-Mail Trigger (Gmail)

Ein Trigger erkennt neu eingehende E-Mails in einem definierten Postfach, zum Beispiel

  • info@
  • vertrieb@
  • service@

Damit wird der Automationsprozess gestartet.

2. KI-Agent mit flexibler Modellauswahl

Die E-Mail wird an einen KI-Agenten übergeben, der:

  • den Inhalt analysiert
  • einen strukturierten Antwortentwurf erstellt
  • wahlweise ein lokales KI-Modell oder ein Cloud-Modell nutzt

Gerade diese Modellauswahl ist für den Mittelstand zentral:

  • Wie sensibel sind die Inhalte?
  • Welche Daten dürfen extern verarbeitet werden?
  • Wo lohnt sich eine lokale Lösung, wo eine Cloud-Anbindung?
3. Ablage eines Antwortentwurfs im E-Mail-Postfach

Der KI-Output wird nicht automatisch versendet, sondern als Entwurf im Postfach abgelegt. Die finale Entscheidung bleibt beim Menschen. Ergebnis: spürbare Zeitersparnis, bessere Textqualität und klare Verantwortung.

Die Illustration zeigt eine eingehende E-Mail und die mit KI verarbeitete, voll automatisierte Antwort, welche im Entwürfeordner abgelegt wurde. Der Text wurde exemplarisch mit OpenAI’s Sprachmodell GPT‑4o mini verarbeitet (Hinweise im Abschnitt „Datenschutz“ beachten). Collage: Canva

Warum im Workshop exemplarisch n8n eingesetzt wird

Das MDZ Spreeland agiert anbieterneutral. Im Workshop geht es um Automatisierungsprinzipien, nicht um Tool-Empfehlungen. Als Praxisbeispiel wird dennoch n8n genutzt – aus didaktischen und strategischen Gründen:

  • Open-Source-Ansatz mit hoher Transparenz
  • lokaler Betrieb möglich (relevant für viele mittelständische Unternehmen)
  • hohe Flexibilität bei individuellen Prozessen
  • deutsches Unternehmen mit starkem Ökosystem

Wichtig ist dabei stets die Einordnung: Der gezeigte Workflow ist konzeptionell nicht an n8n gebunden.

Einordnung vergleichbarer Automatisierungsplattformen

Um die Anbieterneutralität zu wahren, werden im Workshop auch alternative Plattformen eingeordnet, darunter:

  • Make.com – stark visuell, cloudfokussiert, häufig im Marketing-Umfeld
  • Zapier – sehr niedrige Einstiegshürde, breite SaaS-Integration

Alle Plattformen folgen derselben Grundlogik: Trigger → Verarbeitung → Aktion. Die Unterschiede liegen vor allem in:

  • Hosting-Optionen
  • Datenschutz- und Compliance-Fragen
  • Anpassbarkeit für individuelle Geschäftsprozesse
  • Kostenstruktur bei wachsender Nutzung

Achtung: Datenschutz!

Bei der Automatisierung von E-Mail-Prozessen ist besondere Vorsicht geboten, da E-Mails im Mittelstand häufig personenbezogene und vertrauliche Inhalte enthalten. Für solche Anwendungsfälle kommen in der Praxis meist lokal betriebene KI-Modelle in Frage, bei denen die Daten das Unternehmen nicht verlassen. Der Einsatz von Cloud-basierten KI-Diensten kann nur dann sinnvoll und zulässig sein, wenn ausschließlich E-Mails von klar definierten Absendern verarbeitet werden, für die eine explizite Einwilligung zur automatisierten Verarbeitung vorliegt. Datenschutz ist damit keine technische Detailfrage, sondern eine bewusste architektonische Entscheidung im Automatisierungsdesign.

Übertragbarkeit auf typische Mittelstandsprozesse

Das E-Mail-Beispiel dient im Workshop als Blaupause. Teilnehmende erkennen schnell, dass sich derselbe Aufbau übertragen lässt auf:

  • Kundenanfragen & Lead-Vorqualifizierung
  • Vertriebs- und Angebotsprozesse
  • interne Freigaben
  • HR- und Recruiting-Kommunikation
  • Schnittstellen zwischen Vertrieb, Marketing und Service

Ein einfacher Workflow – viele Einsatzmöglichkeiten.

Zentrale Learnings für mittelständische Unternehmen

  • Automatisierung beginnt bei klaren Prozessen, nicht bei Tools
  • KI entfaltet ihren Nutzen als Assistenzsystem, nicht als Ersatz
  • Anbieterneutralität bedeutet, Prinzipien zu verstehen
  • Datenschutz ist eine strategische Architekturentscheidung
  • kleine, funktionierende Automationen schaffen Akzeptanz im Team

Fazit: KI-Automatisierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

Der Workshop „Geschäftsprozesse automatisieren“ am MDZ Spreeland macht deutlich: KI-gestützte Automatisierung ist für den Mittelstand kein Experiment mehr, sondern ein realer Wettbewerbsfaktor. Anhand eines klar abgegrenzten, realistischen Praxisbeispiels lernen Teilnehmende, wie sich Geschäftsprozesse effizient, verantwortungsvoll und zukunftsfähig automatisieren lassen – unabhängig davon, ob später n8n, Make.com, Zapier oder eine andere Plattform eingesetzt wird. Das Mittelstand-Digital Zentrum Spreeland leistet damit einen wichtigen Beitrag, um KI-Kompetenz, digitale Souveränität und unternehmerische Praxis zusammenzubringen.

Robin Jost

Robin Jost

Standort: BTU Cottbus - Senftenberg
Schwerpunkt: KI-Training, LLMs und intelligente Unternehmensprozesse

Tel.: +49 (0) 355 69 2474

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