Digitale Souveränität

Aktuell rücken, insbesondere durch außenpolitische Entwicklungen, zunehmend die Risiken und Abhängigkeiten von digitalen Technologien und Services ins Bewusstsein von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unter dem Schlagwort Digitale Souveränität wird die Kontrolle über eigene Daten, digitale Infrastrukturen und Technologien breit diskutiert. Was genau eigentlich unter Digitaler Souveränität verstanden wird, unterscheidet sich je nach Perspektive, Rolle oder Branche. Als Maßstab dafür werden Kriterien wie Zukunftsfähigkeit, Substituierbarkeit oder Interoperabilität herangezogen.

Das Ziel Digitaler Souveränität ist es, dass Einzelpersonen und Unternehmen (aber auch ganze Staaten) in der Lage sind, digitale Technologien selbstbestimmt, sicher und unabhängig zu nutzen. Dabei geht es jedoch nicht allein um rein technische Themen. Sie umfasst beispielsweise:

  • Kontrolle über Daten, Prozesse und digitale Infrastruktur statt Abhängigkeit von einzelnen Anbietern oder Plattformen.
  • Die Fähigkeit, digitale Werkzeuge zu verstehen, auszuwählen und eigenständig weiterzuentwickeln, statt „Black Boxes“ zu nutzen.
  • Kompetenzen, um Chancen der Digitalisierung aktiv zu gestalten - von Mitarbeiterqualifikation bis strategische Entscheidungsfähigkeit.
  • Rechtliche und ethische Handlungssicherheit, z.B. beim Umgang mit KI, Datenschutz oder algorithmischen Entscheidungen.
  • Wirtschaftliche und gesellschaftliche Unabhängigkeit, um Innovation, Wettbewerb und demokratische Teilhabe langfristig zu sichern.

Im Mittelpunkt stehen eine möglichst große Handlungsfähigkeit und Entscheidungsfreiheit. Es sollte klar sein, dass sich nicht alle Abhängigkeiten in einer digitalen (Arbeits-)Welt beseitigen lassen. Denkt man etwa an die nötige Hardware, lassen sich nur wenige Technologiebereiche ausmachen, in denen europäische oder deutsche Anbieter eine signifikante Rolle spielen. Im Bereich Software und Services besteht dagegen mehr Spielraum zum Abbau von Risiken. Wie dies allerdings erreicht werden soll, bleibt häufig vage. Ein erster Schritt besteht darin, die eigene Situation (und eigene Abhängigkeiten) zu identifizieren.

Besondere Bedeutung gewinnt hierbei der Rechtsraum der jeweiligen Anbieter, welcher für die Einhaltung der jeweils maßgeblichen Regularien bestimmend ist. So unterscheiden sich beispielsweise die Anforderungen an digitale Geschäftsmodelle zwischen Deutschland, den Vereinigten Staaten von Amerika und China recht deutlich. Die zugrundeliegende Frage lautet hier, wer eigentlich Zugriff auf konkrete Daten nehmen kann – und welchem Rechtssystem dieser Zugriff jeweils unterliegt. Auch die Frage nach potentiellen Zugangssperren von Anbietern im Kontext von Zollverhandlungen wird vielfach medial thematisiert.

Das sichtbarste (und am meisten diskutierte) Zeichen hierfür, ist der hohe Anteil von Daten deutscher Unternehmen und Personen, die auf und in ausländischen Servern und Rechenzentren verwaltet werden.[1] Dies ist insofern problematisch, da diese nicht zwangsläufig den strengen europäischen Datenschutzvorgaben entsprechen müssen.

Neben den (außen-)politischen und rechtlichen Risiken, ist die Softwarenutzung der meisten Unternehmen und Personen in Deutschland durch eine jahrelange Gewöhnung an eine kleine Gruppe sogenannter Hyperscaler, meist US-amerikanischer Anbieter, geprägt. Diese stellen umfangreiche, komfortable und zunächst günstige Leistungen und Lösungen bereit. Allerdings nutzen viele Anbieter ihre einseitige Marktmacht zunehmend offensiv, um sowohl Preisdiktate als auch die Einführung neuer, abhängigkeitsverstärkender Geschäftsmodelle durchzusetzen. Die Reduzierung und Diversifizierung digitaler Abhängigkeiten, wird damit zu einer zunehmend wichtigen strategischen Überlegung für Unternehmen.

Handlungsmöglichkeiten

Für Unternehmen, welche auf Abhängigkeiten reagieren wollen, eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten ihre Risiken zu vermindern. Eine völlige Ausschaltung derselben, bleibt jedoch unwahrscheinlich. Vor der Entscheidung, welche konkreten Maßnahmen ein Unternehmen jeweils treffen kann, steht zunächst eine Analyse der genutzten Systeme und Services. Die folgende Checkliste gibt Hinweise für ein entsprechendes Vorgehen.

 

[1] Vgl. Abbildung 1; Quelle: Bitkom 2026, unter: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Deutsche-Cloud-4-von-10-Unternehmen-wuerden-Abstriche-in-Kauf-nehmen#_.

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